Eine gewöhnliche Differentialgleichung ist eine Gleichung der Gestalt
wobei die Unbekannten die Funktionen
der reellen Variablen
sind. Die höchste in der Gleichung auftretende Ableitungsordnung nennt man die Ordnung der Differentialgleichung.
Tritt die Variable
in der Differentialgleichung nicht explizit auf, so heißt die Differentialgleichung autonom; Gleichungen der Gestalt
Eine
-mal differenzierbare Funktion
(
offen) heißt Lösung der Differentialgleichung
auf
, wenn für alle
gilt:
Jede Lösung definiert also eine Kurve
in
, die sogenannte Lösungskurve. Ist
ein Intervall, so spricht man von einer Intervall-Lösung.
Für die Lösungen einer Differentialgleichung kann man eine Ordnungsrelation einführen vermöge
Durch die Festsetzung
kann man eine Differentialgleichung
-ter Ordnung
in ein äquivalentes System erster Ordnung
transformieren.
Ein Differentialgleichungssystem
heißt gekoppelt, wenn es nicht in voneinander unabhängige Teilsysteme zerlegt werden kann. Ist das Gegenteil der Fall, d.h. es existiert eine Auswahl von Koordinaten
von
und eine Auswahl von Gleichungen
, sodass die ausgewählten Gleichungen nur die ausgewählten Koordinaten enthalten, und die restlichen Gleichungen nur von den restlichen Koordinaten abhängen, so nennt man das System entkoppelt. Dazwischen liegen die teilweise entkoppelten Systeme, bei denen eine Auswahl im obigen Sinn existiert, ohne dass für die nicht ausgewählten Koordinaten und Gleichungen irgendwelche Voraussetzungen gemacht werden.
Sei
differenzierbar. Dann ist die Festsetzung
eine Variablensubstitution, die das System
in das System
überführt.
Im Falle eine expliziten Systems
erhält man
bzw. (sofern die Funktionalmatrix von
invertierbar ist)
Interpretiert man
als Parameter, so heißt jede Lösungskurve
einer Differentialgleichung Trajektorie. Die Menge aller Trajektorien eines Systems nennt man das Phasenportrait des Systems; der Raum, in dem die Trajektorien liegen, wird Phasenraum genannt.
Das Richtungsfeld expliziter Systeme erster Ordnung ist das durch das System bestimmte Vektorfeld, das die Tangentenrichtung der Lösungskurve angibt.
Einpunktige Trajektorien (die den konstanten Lösungen entsprechen) heißen auch Gleichgewichtslagen oder stationäre Punkte. Sie sind genau die singulären Punkte des Richtungsfeldes, d.h. jene Punkte
, für die für alle
gilt:
.
Eine Lösungskurve eines Differentialgleichungssystems kann entweder in expliziter Form (
) oder in impliziter Form (
) dargestellt sein. Jede Funktion
, die als Komponente einer impliziten Lösungsdarstellung in Frage kommt (d.h. die für jede Lösung
konstant ist) heißt erstes Integral des Systems.
Das System von Integralgleichungen
ist äquivalent zum Differentialgleichungssystem
(
stetig) mit
.
Jede Vorgabe eines Wertes
wird Anfangsbedingung genannt. Ein Differentialgleichungssystem
zusammen mit einer Anfangsbedingung
wird als Anfangswertproblem bezeichnet.
Eine gegebene explizite Differentialgleichung
-ter Ordnung
kann unter der Festsetzung
in das äquivalente System erster Ordnung
umgewandelt werden. Eine zugehörige Anfangsbedingung bedeutet also die Angabe der Werte von
an der Stelle
.
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