Systeme der Gestalt
heißen Systeme linearer Differentialgleichungen (erster Ordnung).
Analog zum eindimensionalen Fall wird die (im Allgemeinen von
abhängige) Matrix
Koeffizientenmatrix und die Funktion
die Störfunktion oder Inhomogenität des Systems genannt. Ebenso spricht man von einem homogenen System, sofern
die Nullfunktion ist, sonst von einem inhomogenen System.
Das Anfangswertproblem
hat auf
(
ist das maximale Stetigkeitsintervall von
und
um
) eine eindeutig bestimmte maximale Intervall-Lösung.
Für
Funktionen
von
(
Intervall) nach
wird die Matrix mit den Spalten
Wronski-Matrix und ihre Determinante Wronski-Determinante genannt.
Sei
eine
-Matrix von auf
(
Intervall) stetigen Funktionen. Die Lösungen des Differentialgleichungssystems
bilden dann einen
-dimensionalen Vektorraum
.
Für die Wronski-Determinante
von
gilt dann:
Hat man eine Lösungsbasis des Systems
gefunden, so lautet die Lösung des zugehörigen Anfangswertproblems
wobei
die Wronski-Matrix der Lösungsbasis bezeichnet.
Das Reduktionsverfahren von D'Alembert hilft bei der Suche nach Lösungsbasen von linearen Differentialgleichungssystemen
für
:
Hat man eine (von der Nullfunktion verschiedene) Lösung
gefunden, so kann man jede weitere Lösung
darstellen durch
mit
und
.
Sei nun o.B.d.A.
, so setzt man
, was
liefert. Durch Einsetzten von
in die ursprüngliche Gleichung erhält man (durch Betrachten der ersten Komponente) eine Gleichung für
, woraus man (durch Einsetzen in die anderen Komponenten) schließlich ein lineares Differentialgleichungssystem für
(d.h. mit niedrigerer Dimension) erhält.
Kann man nun eine Lösungsbasis
des neuen Systems finden, so bildet
eine Lösungsbasis des ursprünglichen Systems.
Inhomogene Systeme löst man analog zum eindimensionalen Fall: Man erhält alle Lösungen von
, indem man zu einer beliebigen Lösung des inhomogenen Systems die allgemeine Lösung des homogenen Systems addiert.
Eine partikuläre Lösung liefert hier wieder die Variation der Konstanten: Ist
die Wronski-Matrix einer Lösungsbasis des homogenen Systems, so liefert Einsetzen von
in das inhomogene System die Gleichung
und damit
bzw. (sofern
das homogene System löst)
.
Die Lösung des Anfangswertproblems
lautet also
Sind alle Koeffizientenfunktionen von
und
auf einem Intervall I um
in Potenzreihen entwickelbar, so kann man auch die Potenzreihenmethode zur Lösung eines Anfangswertproblems heranziehen: Man setzt alle Komponenten der Lösungsfunktion
unbestimmt als Potenzreihe an, setzt in die Differentialgleichungen ein und versucht, die unbekannten Koeffizienten durch Koeffizientenvergleich zu bestimmen.
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