Phasenportraits zweidimensionaler autonomer Systeme in der Nähe stationärer Punkte

Zuerst betrachtet man homogene lineare Differentialgleichungssysteme

( \begin{array}{c} \dot{x} \\ \dot{y} \end{array} ) = A * ( \begin{array}{c} x \\ y \end{array} )

Hat A konjugiert komplexe Eigenwerte lambda und \overline{lambda}, so umrundet jede Trajektorie den einzigen stationären Punkt (0,0), und zwar in folgendem Sinn:

Skizze: abstoßender Strudelpunkt Skizze: anziehender Strudelpunkt Skizze: Zentrum
abstoßender Strudelpunkt anziehender Strudelpunkt Zentrum

Sind die Eigenwerte von A beide reell, so strebt der Polarwinkel jeder Lösung des Systems für t –> \pminfty gegen einen endlichen Grenzwert. Diese Grenzwerte werden charakteristische Richtungen des Systems genannt. Es stellt sich heraus, dass der zum größeren Eigenwert gehörige Eigenvektor die charakteristische Richtung für t –> +infty beschreibt (in den folgenden Skizzen immer blau dargestellt), während der zum kleineren Eigenwert gehörige Eigenvektor die charakteristische Richtung für t –> -infty angibt (in den folgenden Skizzen immer rot dargestellt).

Sind die beiden Eigenwerte lambda_1 und lambda_2 verschieden, so gibt es folgende Fälle:

Skizze: abstoßender Knoten Skizze: Sattelpunkt
abstoßender Knoten Sattelpunkt

Tritt ein doppelter Eigenwert auf, so liegt entweder ein Sternknoten vor, d.h. die Trajektorien sind genau die Halbgeraden durch den Ursprung (das ist dann der Fall, wenn der Eigenraum zweidimensional ist), oder man erhält einen Knoten, bei dem es nur eine charakteristische Richtung gibt. Je nach dem Vorzeichen des Eigenwertes spricht man wieder von einem abstoßenden oder einem anziehenden (Stern-)Knoten.

Skizze: abstoßender Sternknoten Skizze: abstoßender Knoten
abstoßender Sternknoten abstoßender Knoten

Ist ein Eigenwert 0, so sind alle Punkte auf der durch den zu 0 gehörigen Eigenvektor aufgespannten Geraden g durch den Ursprung singuläre Punkte. Die übrigen Trajektorien sind entweder die Halbgeraden, deren Richtung durch den Eigenvektor zum anderen Eigenwert beschrieben ist (wenn ein zweiter, von 0 verschiedener Eigenwert lambda vorliegt), und die von einem singulären Punkt ausgehen (zu diesem hin orientiert, falls lambda < 0, ansonsten von ihm weg orientiert), oder die zu g parallelen Geraden (falls 0 doppelter Eigenwert ist).

Skizze: Eigenwerte 0 und lambda > 0 Skizze: doppelter Eigenwert 0
Eigenwerte 0 und lambda > 0 doppelter Eigenwert 0

Hat man das System { \begin{array}{rcl} \dot{x} & = & p(x,y) \\ \dot{y} & = & q(x,y) \end{array} . mit der Gleichgewichtslage (alpha,beta) gegeben, und ist \frac{d(p,q)}{d(x,y)}(alpha,beta) regulär, so gilt, dass das Phasenportrait des ursprünglichen Systems "ähnlich" jenem des linearisierten Systems ist, d.h. präziser ausgedrückt:

  1. Ist (0,0) anziehender bzw. abstoßender Brennpunkt des linearisierten Systems, so ist (alpha,beta) anziehender bzw. abstoßender Brennpunkt des ursprünglichen Systems.
  2. Ist (0,0) Zentrum des linearisierten Systems, so ist (alpha,beta) entweder Zentrum oder anziehender oder abstoßender Brennpunkt des ursprünglichen Systems.
  3. Ist (0,0) anziehender bzw. abstoßender Knoten des linearisierten Systems, so ist (alpha,beta) anziehender bzw. abstoßender Knoten des ursprünglichen Systems.
  4. Ist (0,0) anziehender bzw. abstoßender Sternknoten des linearisierten Systems, so ist (alpha,beta) anziehender bzw. abstoßender Knoten oder Brennpunkt des ursprünglichen Systems.
  5. Ist (0,0) Sattelpunkt des linearisierten Systems, so ist (alpha,beta) Sattelpunkt des ursprünglichen Systems.

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