Iterative Methoden

Eigenwertalgorithmen

Eigenwerte können (bei Dimension größer als vier) nur iterativ berechnet werden. Dabei wird typischerweise wie folgt vorgegangen:

  1. Ähnlichkeitstransformation der Matrix A auf eine Matrix einfacher Struktur (z.B. Hessenberg-Matrix, Tridiagonalmatrix)
  2. Iterationsverfahren zur Transformation auf obere Dreiecksmatrix (im Limes) bzw. Transformation von Vektoren, die gegen Eigenvektoren konvergieren.

Transformation auf Hessenberg-Form

Eine Matrix A in R^{m × n} mit A_{jk} = 0 für alle j>k+1 heißt Hessenberg-Matrix. Eine beliebige Matrix A kann mit Hilfe der Householder-Transformation, bei der A mit passenden Householder-Matrizen von links multipliziert wird, auf Hessenberg-Form gebracht werden.

Störungstheorie für Eigenwertprobleme

Im Folgenden bezeichne sigma(A) die Menge der Eigenwerte von A.

Eine Matrix A in R^{n × n} heißt diagonalisierbar, wenn eine reguläre Matrix T in C^{n × n} existiert, so dass gilt: T^{-1}AT = {diag}\,}(lambda_1,\,...,\,lambda_n) in C^{n × n}.

Nach dem Satz von Bauer und Fike gilt für eine diagonalisierbare Matrix A in R^{n × n} mit T wie oben und beliebiges {Delta}A in R^{n × n}

\max_{µ in sigma(A + {Delta}A)} \; \min_{lambda in \......}_{p}(T) * \Vert{Delta}A\Vert _{p}

wobei p in [1,infinity] beliebig und {cond}_{p}(T) := \Vert T\Vert _{p}* \Vert T^{-1}\Vert _{p}, wobei \Vert.\Vert _{p} die Matrixnorm zur Vektornorm in l^{p} bezeichne.

Für allgemeine reelle Matrizen A gilt:

\max_{µ in sigma(A + {Delta}A)} \; \min_{lambda in \......ath{\Vert{Delta}A\Vert _2^{\frac1n )

wobei die Konstante C von der Schur-Zerlegung von A abhängt.

 

Die Eigenwerte einer Matrix hängen stetig von ihren Koeffizienten ab: Hat nämlich A in R^{n × n} die Eigenwerte lambda_1,\,...,\,lambda_n, so existiert zu jedem eps> 0 ein delta > 0, sodass für jede Matrix {Delta}A in R^{n × n} mit \Vert{Delta}A\Vert < delta eine Nummerierung der Eigenwerte µ_1,\,...,\,µ_n von A + {Delta}A existiert mit

\max_{j=1}^n |lambda_j - µ_j| < eps

 

Der Satz von Gerschgorin liefert eine Aussage über die Lage der Eigenwerte: Sei A in R^{n × n} gegeben und G_j für j=1,\,...,\,n definiert als

G_j := \{ z in C\Biggm\ver......<= sum_{k=1}\atop{k <> j}^n | A_{jk}| \}

Dann gilt: sigma(A) \subseteq G_1 \cup G_2 \cup ... \cup G_n.

Variationsformulierung für symmetrische Matrizen

Ist A in R^{n × n} symmetrisch und x in R^n, so bezeichnet man den Ausdruck

R_A(x) := \frac{x^TAx}{x^Tx}

als Rayleigh-Quotienten.

Diesen kann man zur Berechnung der Eigenwerte einer symmetrischen Matrix A in R^{n × n} verwenden, wie der Satz von Courant-Fischer besagt: Sind lambda_1 >= lambda_2 >= ... >= lambda_n die Eigenwerte von A, so gilt für j=1,\,2,\,...,\,n-1:

lambda_{j+1} & = & \min_{y_1,\,...,\,y_j in \ensurem......\{y_1,\,...,\,y_j\}^{\perp} \ \{0\} \; R_A(x)

Speziell gilt nach dem Satz von Rayleigh-Ritz:

lambda_1 = \max_{x <> 0} R_A(x)   {bzw.}   lambda_n = \min_{x <> 0} R_A(x)

Schließlich gilt nach dem Störungssatz für symmetrische Matrizen für symmetrisches A, {Delta}A in R^{n × n} und j=1,\,...,\,n:

lambda_j(A) + lambda_n({Delta}A) <= lambda_j(A + {Delta}A) <= lambda_j(A) + lambda_1({Delta}A)

bzw.

|lambda_j(A + {Delta}A) - lambda_j(A)| <= \Vert{Delta}A\Vert _2

Vektoriterationen

Für B in R^{n × n} und z^{(0)} in R^n\ \{0\} heißt die durch

z^{(j+1)} := Bz^{(j)} = B^{j+1}z^{(0)}   {für} \; j=0,\,1,\,2,\,...

definierte Folge die Folge der Iterierten (mit Iterationsmatrix B und Startvektor z^{(0)}).

Ist nun B eine diagonalisierbare Matrix mit den Eigenwerten lambda_1\,\,...,\,lambda_n in C, wobei lambda_1 = ... = lambda_{r} und |lambda_{r}| > |lambda_{r+1}| >= ... >= |lambda_n| für ein r in \{0,\,1,\,...,\,n-1\}, und z^{(0)} in R^n\ \{0\} so gewählt, dass z^{(0)} \notin \ker(B-lambda_{r+1}1) \oplus ... \oplus \ker(B-lambda_n1), so gilt:

\frac{\Vert z^{(j+1)}\Vert {\en......1| + O(q^j)   {für} \; j –> infinity

wobei q := \frac{|lambda_{r+1}|}{|lambda_1|} < 1 und \Vert.\Vert eine beliebige Vektornorm darstellt.

Möchte man den Betrag des dominanten Eigenwertes von A berechnen, so bietet sich zum Beispiel folgende Wahl von B an:

  1. Von-Mises-Iteration: B = A
  2. inverse Iteration nach Wielandt: B = (A - µ * 1)^{-1} für ein µ in R\ sigma(A)

Ist unter obigen Voraussetzungen B zusätzlich symmetrisch, so gilt

r_j := \frac{z^{(j+1)} \,\begin{picture}(2,2) \put(1,1){\......{picture}\,z^{(j)} = R_B(z^{(j)}) = lambda_1 + O(q^{2j})

QR-Algorithmus

Unter gewissen Bedingungen liefert das QR-Verfahren (siehe Anhang D.1) eine Approximation für die Eigenwerte einer Matrix: Sei A in GL(n) diagonalisierbar mit betragsmäßig einfachen, reellen Eigenwerten lambda_1,\,...,\,lambda_n mit |lambda_1| > ... > |lambda_n|. T bezeichne die Matrix der Eigenvektoren zu lambda_1,\,...,\,lambda_n. Schließlich besitze T^{-1} eine LR-Zerlegung ohne Pivotisierung. Dann gilt:

A^{(j)} = S_jUS_j + O(q^j)

für q := \max_{j=1}^{n-1} | \frac{lambda_{j+1}{lambda_j | < 1 und S_j := {diag}\,}(sigma_1^{(j)},\,...,\,sigma_n^{(j)}) mit sigma_k^{(j)} = \pm 1 und rechter oberer Dreiecksmatrix U mit U_{jj} = lambda_j für j=1,\,...,\,n.

Durch Durchführung eines (geeigneten) Shifts (siehe Anhang D.2) in jedem Schritt kann die Konvergenz deutlich verbessert werden (in diesem Fall von linear auf kubisch).

Oft lässt sich ein Problem auch durch Deflation vereinfachen. Diese tritt dann auf, wenn eine Iterationsmatrix A^{(j)} die Gestalt A^{(j)} = {diag}\,}(A_{u}^{(j)},A_l^{(j)}) hat. Dann können nämlich die beiden Matrizen A_{u}^{(j)} bzw. A_l^{(j)} (jeweils kleinerer Dimension) getrennt betrachtet werden.

Wird das QR-Verfahren mit nur m \ll n vielen Spaltenvektoren durchgeführt, so erhält man die Subspace-Iteration.

Direkte Berechnung

Die direkte Berechnung der Eigenwerte (über das charakteristische Polynom) ist nur für Tridiagonalmatrizen zu empfehlen. In diesem Fall erhält man nämlich das charakteristische Polynom mit Hilfe von einfachen Rekursionsformeln, und dessen Nullstellen können anschließend mit Hilfe von Polynomnullstellenberechnungsverfahren (wie z.B. Newton-Verfahren oder Bisektionsverfahren) zumindest approximativ berechnet werden.


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